Die Emotionen waren groß

15. Dezember 2020

Spendenbereitschaft auch bei zweiter Aktion „Corona-Soforthilfe Südafrika“ ungebrochen

Von Mitte September bis Anfang Oktober hatten die Kirchenkreise Melle-Georgsmarienhütte, Bramsche und Osnabrück ein zweites Mal dazu aufgerufen, für die notleidende Bevölkerung in Südafrika zu spenden. Über 52.000 Euro sind zusammengekommen, die die Landeskirche nach dem Motto „Aus 2 mach 3“ noch aufstocken wird.

„Ich bin noch immer ganz überwältigt“, kann Schirmherr Superintendent Hans-Georg Meyer-ten Thoren die Spendenbereitschaft und das Engagement der Menschen in der Region kaum fassen. Denn bereits im Frühjahr hatte es einen Aufruf gegeben, bei dem damals über 30.000 Euro gespendet wurden. „Zusammen mit den Spenden aus dem Frühjahr und dem Bonus, den die Landeskirche jetzt noch draufpackt, ist das ein Rekordwert“, freut sich Anke Meckfessel, die die gemeinsame Spendenaktion koordiniert hat. „Wir dürfen nicht vergessen, das sind Gelder, die noch zu den üblichen Unterstützungen für die Partnergemeinden und unseren Bildungsfonds hinzugekommen sind und das zu einer Zeit, wo hier auch nicht alles rosig ist.“ Umso größer ist die Dankbarkeit: „Vielen Dank allen Spenderinnen und Spendern!“ sagt Schirmherr Meyer-ten Thoren zusammen mit Anke Meckfessel, Guido Schwegmann-Beisel und Udo Fahrenkamp im Namen der Partnerschaftsausschüsse der drei Kirchenkreise und der Partnergemeinden in Südafrika.

Nahezu jede Familie betroffen

Und das Geld wurde und wird dringend benötigt. Das zeigen die vielen Bilder und Nachrichten aus Südafrika. In einem Video stimmt zum Beispiel eine Großmutter vor Freude, Erleichterung und Dankbarkeit ein Lied an, als die Helfer ihr die Nahrungsmittel bringen. Mit dem Maismehl, den Kürbissen, dem Dosenfisch und Co. kann sie in den nächsten Wochen Mahlzeiten für sich und ihre Enkel bereiten. Wie in vielen Familien in Südafrika üblich, kümmert die Großmutter sich um die Enkel, weil die Eltern entweder bereits verstorben sind oder anderswo Geld verdienen müssen. Und wenn die Großeltern sterben, fehlt nicht nur deren Rente als sicheres Einkommen, sondern häufig sind die Kinder dann ganz auf sich allein gestellt.

Im März/April war die Lage besonders dramatisch, weil Kindergärten und Schulen komplett geschlossen waren. Denn normalerweise bekommen die Kinder dort zwei Mahlzeiten pro Tag. Und während sich bei uns die Lage im Sommer entspannte, schossen die Infektionszahlen in Südafrika im dort beginnenden Winter in die Höhe. Die Infektionsraten waren in Südafrika teilweise so hoch, dass sie es in unsere Nachrichtensendungen schafften. „Mittlerweile gibt es kaum noch eine Familie, die nicht betroffen ist“, berichtet Pastor Joe Lüdemann von der Trauer und manchmal auch Hilfslosigkeit der Menschen in Südafrika. Wenn sie zum Beispiel entscheiden müssen: Setze ich mich in den überfüllten Mini-Bus, um Geld verdienen zu können, oder stelle ich mich in eine der langen Warteschlangen an einer der wenigen Suppenküchen. Als Regionalvertreter im südlichen Afrika vom Evangelisch-lutherischen Missionswerk Niedersachsen lebt und arbeitet Lüdemann seit 2001 in Südafrika, und als Gemeindepastor kennt er die Nöte und Sorgen der Menschen. Die ohnehin schon sehr hohe Arbeitslosenrate ist durch die Corona-Pandemie noch weiter gestiegen und zeitgleich sind viele Einnahmequellen aus dem informellen Arbeitsmarkt weggefallen.

Glaube spielt wichtige Rolle

So langsam entspannt sich die Lage und die Spendengelder werden jetzt im südafrikanischen Frühjahr und Sommer neben den Lebensmittelpaketen verstärkt für den Anbau von Gemüsepflanzen genutzt, um so die Familien und Nachbarschaften, aber auch die Kindergärten und Schulen, mit selbstangebautem Gemüse versorgen zu können. „Aber egal was passiert – und viele Familien haben bereits in den vergangenen Jahren viele Angehörige zum Beispiel durch Aids verloren – irgendwie schaffen sie es, sich ihre Zuversicht und Lebenslust zu bewahren“, bewundert Lüdemann die Fähigkeit der Südafrikaner mit Schicksalsschlägen umzugehen. „Dabei spielt ihr Glaube oft eine wichtige Rolle. Sie sehen auch in den Spenden aus dem Raum Osnabrück das Wirken Gottes in Aktion.“ Solch ein Gottvertrauen ist sicher eines der vielen Dinge, die wir Deutschen von den Südafrikanern lernen können, ist er sich sicher.

Bildungsfreun.de

Die Corona-Soforthilfe wurde koordiniert vom Bildungsfonds des Kirchenkreises Melle-Georgsmarienhütte für Südafrika. Ziel des Bildungsfonds ist es, durch eine gute (Aus-)Bildung die Grundlage für ein selbstbestimmtes Leben zu legen.

Weitere Informationen, Bilder und Videos unter:

www.bildungsfreun.de